Ein Welpe aus unserer Nachzucht
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Die Welpenschutz-Lüge

Unter Hundehaltern hält sich hartnäckig die Legende, dass alle Hunde im Umgang mit Welpen automatisch eine Beißhemmung und einen Zwang dazu haben, mit den Kleinen freundlich umzugehen. Dieses Phänomen wird mit Welpenschutz betitelt. So mancher bezeichnet einen Hund, der diesem Schema nicht folgt, als verhaltensgestört. Aber um dem direkt vorzugreifen:

Der Welpenschutz existiert nicht!


Welpenschutz und Aggressionshemmung existieren ausschließlich und nur innerhalb des eigenen Rudels. Wenn überhaupt, dann lässt sich dieser "Welpenschutz" allenfalls als Schutz der Welpen durch die Mutterhündin in den ersten Wochen gegen Fremde, aber in den ersten Tagen auch gegen zudringliche Rudelmitglieder verstehen. Nach wenigen Wochen hat sich aber auch dieser Schutz erledigt und das Rudel beginnt, den Welpen nun öfter ihre Grenzen zu zeigen. Allen voran die Mutterhündin - und die geht mit den Kleinen nicht zimperlich um. Da wird zurechtgewiesen, geschubst und auch einmal mit den Zähnen zurecht gewiesen, wenn die Welpen der Mutterhündin ihr auf der Nase herumtanzen oder mit den scharfen Milchzähnchen das empfindliche Gesäuge treffen. Die Mutterhündin überlässt dem übrigen Rudel, je älter die Welpen werden, auch einen zunehmenden Anteil der Erziehungsarbeit. Es ist schlicht ein Märchen, dass fremde Hunde einem Welpen nichts tun oder ihn gar freundlich in ihrer Mitte aufnehmen. Gerade für einen fremdem Hund gibt es keinerlei Grund, einem fremden Welpen freundlich zu begegnen. Ganz im Gegenteil - in der Natur würde der Wolf teils sogar versuchen, den fremden Welpen zu töten, um seine eigene Fitness (Fortpflanzungsrate) zu erhöhen. Der Grund, weshalb unsere älteren Hunde einem Welpen oft nichts tun, liegt in Prägung, Gewöhnung und Erziehung des jeweiligen Tieres. Aber Vorsicht: Sie können bei einem Treffen mit fremden Hunden einfach nicht wissen oder voraussehen, ob der andere Hund Welpen kennt oder wie er mit ihnen umgeht. Gerade Hündinnen sind oft rigoros mit den jungen Draufgängern und beißen sie im Zweifelsfall auch weg. Rüden scheinen meist gelassener im Umgang mit Welpen zu agieren. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Diese Erfahrung musste unsere Clio im zarten Alter von zwölf Wochen durchleben, als sie unvermittelt bei einem ihrer ersten Spaziergänge von einem frei herumlaufenden erwachsenen Rüden angegriffen wurde, die den kleinen Rottweiler offenbar als passendes Mobbing-Opfer betrachteten. Es gibt auch Hunde, die die soziale Unbeholfenheit eines nicht besonders gut auf die "Hundesprache" geprägten Welpen nicht einzuordnen wissen und eventuell aus Unsicherheit unberechenbar agieren. Selbst wenn Sie einen Hund schon Jahre kennen, Ihren neuen Welpen kennt der Hund noch nicht! Und es ist eben nicht gesagt, dass er dem Kleinen mit Gelassenheit begegnet. Das bedeutet für Sie, dass sie ganz besonders im Umgang mit fremden Hunden immer sehr, sehr vorsichtig sein müssen. Auch dann, wenn der Welpe nicht immer spielt und sich sonst mit allen Hunden gut versteht - nicht jeder Hund reagiert freundlich!


Lassen Sie Ihren Welpen also niemals ohne vorherige Rücksprache
mit dem Hundebesitzer zu anderen Hunden, die ihren Welpen noch nicht kennen!



Gewöhnen Sie sich außerdem eine gute Portion Misstrauen an, denn auch nicht jeder Hundebesitzer weiß sicher, wie sein Hund gegenüber Welpen agiert. Fragen Sie im Zweifelsfall mehrfach nach und vermeiden Sie den Kontakt zwischen den Hunden, sollten Sie unsicher sein. Leider haben schon viele Hunde schlechte Erfahrungen machen müssen, die sie für ihr Leben geprägt haben, weil ihre Besitzer so unwissend waren, an Märchen wie den Welpenschutz zu glauben. Solche Hunde können später oft keinen normalen Kontakt zu Artgenossen aufnehmen oder sind zumindest in der Begegnung mit dieser speziellen Rasse, dem speziellen Typ Hund oder dem Geschlecht angekratzt. Dabei braucht es nur einen gesunden Menschenverstand und offene Augen, um sich davon überzeugen zu können, dass der Mythos Welpenschutz zwischen Welpen und fremden Hunden nicht existiert.

Natürlich sollte der Kontakt zu anderen, berechenbaren und freundlichen Artgenossen gefördert werden. Ein ruhiges Zurechtweisungsknurren bedeutet keinesfalls, dass der Welpe einen bleibenden Schaden davontragen wird, ganz im Gegenteil. Auch der Junghund muss das Sozialverhalten unter Hunden erst lernen, die Beschwichtigungssignale, Bedrohungsgesten und Lautsprache anwenden und verstehen begreifen. Besuchen Sie mit Ihrem Welpen zusätzlich eine gut geführte Welpenspielstunde, bei der in etwa gleichaltrige Hunde unter Aufsicht spielen können. Im Spiel und Kontakt mit anderen Welpen oder sozialisierten erwachsenen Hunden lernt der Kleine sehr viel. Lernt er rechtzeitig, die anderen Tiere in ihren verschiedenen Farben, Größen und Fellformen zu verstehen und einzuschätzen, wird der Welpe später weniger Probleme mit fremden Hunden haben. Jede schlechte Erfahrung jedoch wird sich genauso einprägen. Seien sie also immer vorsichtig und achten Sie darauf, dass Ihr Welpe nur mit solchen Hunden in Kontakt kommt, die sicher und angemessen mit Welpen umgehen.