Ein Welpe aus unserer Nachzucht
Folgen Sie uns auch auf
YouTube

Homogenitäts- und Inzuchtkoeffizient

Homogenitäts- und Inzuchtkoeffizient sind in aller Munde. Auf fast jeder Züchterseite findet man Zahlen zu diesen beiden Wörtern, sie scheinen wichtig zu sein - und nebenbei rechnet unser Zuchtprogramm "Dogbase" beide Werte bei der virtuellen Paarungsplanung automatisch mit aus. Aber was versteckt sich eigentlich hinter diesen beiden Begriffen? Wir möchten beide auf dieser Seite so gut es geht erläutern.

Der Inzuchtkoeffizient


Inzucht ist ein sehr allgemeiner Begriff. Viele Hundehalter finden "die Inzucht bei Rassehunden" per se verwerflich - was aber genau die Inzucht dabei ist, können die meisten nicht erläutern. Allgemein bedeutet Inzucht eigentlich nur, dass Hunde verpaart werden, die näher als der Durchschnitt der Rasse miteinander verwandt sind. Angesichts dessen, dass jede Rasse auf die gleichen Ausgangstiere zurückzuführen ist, basieren aber alle Rassehundezuchten in gewissem Maße auf Inzucht - ja, genau betrachtet wäre ohne überhaupt keine Rassehundezucht möglich! Eine andere Definiton von Inzucht ist die Verpaarung zweier sehr nah verwandter Tiere. Verpaart man verwandte Tiere, erreicht man eine Vereinheitlichung gewünschter Merkmale (man homogenisiert ihre Gene). Man erhält aber mit engerer Verwandschaft auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für Genmutationen und deckt eventuell Krankheiten oder Mängel auf, die bei einer Anpaarung mit einem nicht verwandten Tier nie zu Tage gekommen wären.

Mit dem Inzuchtkoeffizienten erhält man eine Auskunft, wie nah zwei Elterntiere für einen geplanten Wurf miteinander verwandt sind. Nach Sewell Wright berechnet man den IK in % wie folgt:

0,5(n1 + n2 + 1)· 100



n1 ist die Zahl der Generationen, die zwischen einem gemeinsamen Ahnen von Vater- und Muttertier und dem Vatertier selbst liegt.
n2 ist die Zahl der Generationen des gleichen Ahnen zur Mutterhündin.

Tauchen, wie auch in der Rottweilerzucht üblich, gleich mehrere Tiere mehrfach in der Ahnentafel auf, so führt man die Berechnung des IK für jedes dieser Ahnentiere durch. Die Summe der Ergebnisse nennt man dann den Inzuchtkoeffizienten. In der Regel zieht man zur Berechnung beim Rottweiler die letzten fünf oder sechs Generationen heran. Allerdings sollte man dazu wissen, dass dieser Inzuchtkoeffizient dann natürlich bedeutend geringer ist als ein IK, den man über 12 oder gar 20 Generationen ausgerechnet hätten. Denn natürlich gibt es, je weiter man in den Ahnentafeln zurückgeht, immer mehr gleiche Namen auf beiden Elternseiten. Um den IK oder den HK also überhaupt bewerten zu können, muss stets angegeben sein, auf wie viele Generationen dieser berechnet wurde.

Beispiel auf 6 Generationen gerechnet:
IK 0 % keine verwandschaftlichen Beziehungen innerhalb der letzten sechs Generationen der Elterntiere
IK 6,25 % Cousin-Verpaarung
IK 12,5 % Halbgeschwister-Verpaarung
IK 25% Vater-Tochter, Mutter-Sohn oder Geschwisterverpaarung

Der Homogenitätskoeffizient



In erster Linie sagt dieser Wert etwas darüber aus, wie homogen ein geplanter Wurf sein wird, also vereinfacht gesagt, inwiefern die Gene der Elterntiere einander gleichen. Man kann den HK wie folgt ausrechnen:

(IK der Mutter + IK des Vaters)÷ 2



Beispiel: Nehmen wir als Inzuchtkoeffizienten für die Zuchthündin den Wert 6,25% an. Der IK des Deckrüden betrüge 0,20 %. Der Homogenitäskoeffizient würde nach der obigen Formel also 3,225 % ergeben.

Was macht man mit diesen Werten?



Beide Werte sind wertvoll für die sogenannte Zuchtwertschätzung, also einen Teil der Zuchtplanung. Bei der Verpaarung achtet man darauf, möglichst nicht allzu eng verwandte Tiere miteinander zu verpaaren, um den Genpool der Rasse nicht noch künstlich mehr als nötig zu verengen oder genetisch bedingte Krankheiten wie die Hüftgelenks- oder Ellbogendysplasie nicht zu manifestieren. Außerdem kann man mit dem HK einschätzen, inwieweit die Gene der geplanten Nachzucht sich bereits ähneln oder noch Abweichungen voneinander aufweisen. Ganz klar ist aber auch: Nur auf Grund dieser beiden Werte kann niemand eine Verpaarung planen, sie sind nur Bestandteil vieler, vieler Gedankengänge und Überlegungen, die in der Zuchtplanung bedacht sein wollen.