Der durchschnittliche Hund wird jedes Jahr fünf- bis siebenmal geimpft. Da taucht ganz berechtigt beim Halter irgendwann einmal die Frage auf, ob dies denn überhaupt berechtigt ist? Dieser Frage wollen wir nun etwas nachgehen. Wenn man sich überlegt, dass Menschen in Abständen von einigen Jahrzehnten nachgeimpft werden, und das auch meist nur dann, wenn ein reales Infektionsrisiko anzunehmen ist, kann man über die Jahres-Mehrfachimpfungen der Haustiere schon ins Grübeln kommen. Sind Tierimpfstoffe so viel schlechter als Humanvakzinen, dass sie nur ein Jahr halten? Oder hat das andere Gründe?

                       
   
                       
   

Wird ein Hund mit Viren oder Bakterien infiziert, so bildet sein Körper Antikörper, die die "Eindringlinge" bekämpfen und im besten Fall vernichten sollen. Zusätzlich gibt sogenannte Gedächtniszellen im Blut. Wenn der Hund ein zweites Mal mit dem gleichen Virus oder Bakterium infiziert wird, "erinnert" sich der Körper vereinfacht dargestellt an die vorhergehende Erkrankung und hat genügend Abwehrzellen, damit die Infektion nicht zu einer Erkrankung wird - oder die Symptome zumindest ganz gering bleiben.

Eine Impfung macht eigentlich nichts anderes, als die natürliche Infektion nachzuahmen. Sie simuliert quasi eine Infektion mit Viren oder Bakterien, damit der Hund Antikörper bilden kann und eine Immunität gegen die geimpften Erreger ausbildet. Damit der Hund an der Impfung selbst nicht erkrankt, impft man unschädlich gemachte Erreger oder nur Teile davon. Das Ziel der Impfung ist also, ohne einen tatsächlichen Krankheitsausbruch eine Immunität für den Hund gegen bestimmte Erreger zu erreichen.

Die Grundimmunisierung der Welpen ist im ADRK vorgeschrieben

 
  Leider funktionieren Impfungen nicht bei allen Erregern, bei Bakterien z.B. gibt es bisher kaum wirksame Impfstoffe und gegen einige Viren kann der Körper einfach keine stabile Immunität aufbauen (z.B. AIDS). Beim Hund gibt es einige bewährte Impfstoffe (siehe wichtige Impfungen), genauso existieren aber auch Impfungen, die viele Hunde nicht benötigen oder deren Wirkung umstritten ist. Die meisten Impfstoffe impft man zweimal hintereinander - das zweite Mal soll die sogenannten "Impfversager" reduzieren, also die Hunde, deren Körper bei der ersten Impfung noch nicht ausreichend mit Antikörperbildung reagiert hat.
                       
             

Es gibt Impfungen, die tatsächlich wichtig sind: Impfungen gehen sehr gefährliche oder gar lebensbedrohliche Krankheiten. Zu nennen wären hier Parvovirose (canines Parvovirus - 2), Staupe (canines Staupevirus) und kontagiöse Hepatitis (canines Adenovirus - 2), Diese Impfungen sollten alle Hunde erhalten, unabhängig von Wohnort und Lebensstil oder Art der Haltung. Die Impfung gegen Tollwut ist darüber hinaus erforderlich, weil sie stets tödlich verläuft und der Erreger auf den Menschen übertragbar ist (man nennt das eine Zoonose).

Tollwut: normalerweise Impfstoff mit abgetöteten Erregern, Schutzdauer mindestens 3 Jahre, wird in vielen Einreisebestimmungen und von vielen Zuchtvereinen leider noch jährlich gefordert
Staupe: Parvovirose:
kon. Hepatitis:
normalerweise Lebendimpfstoff mit inaktivierten Erregern, Schutzdauer mindestens 7 Jahre
normalerweise Lebendimpfstoff mit inaktivierten Erregern, Schutzdauer mindestens 7 Jahre
normalerweise Lebendimpfstoff mit inaktivierten Erregern, Schutzdauer mindestens 7 Jahre
Auffrischungen sind nur dann nötig, wenn nicht mehr genügend Abwehrzellen vorhanden sind. Kommt ein gesunder Hund mit Erregern in Kontakt, gegen die er früher einmal geimpft wurde, so erhält er dadurch quasi eine natürliche Impfauffrischung: Sein Immunsystem wird angeregt, neue Abwehrzellen gegen das Virus zu bilden (der Fachbegriff ist "boostern"). In einem solchen Fall ist eine Nachimpfung überflüssig.
 
 
Impfungen, die nicht jeder Hund benötigt, sind die canine Parainfluenza (Zwingerhusten), Leptospirose und Borreliose. Diese Infektionskrankeiten verlaufen im Normalfall minder schwer und/oder sind gut durch Antibiotika zu behandeln, und sie lassen sich durch hygienische Maßnahmen (Sauberkeit, Belüftung usw.) sowie Quarantäne eindämmen bzw. durch konsequenten Zeckenschutz verhüten.
Zwingerhusten: Infektion meist in großen Massenzuchten oder Tierheimen, übliche Impfstoffe wirken nur gegen das canine Parainfluenza-Virus
Leptospirose: Schutz hält oft deutlich weniger als ein Jahr (müsste also, wenn überhaupt, halbjährlich geimpft werden), kann Immunsystem des Hundes akut oder chronisch schädigen
Borreliose: Wirkung umstritten, Zeckenprophylaxe ist sinnvoller (und wichtig!)
     
 
     

Schlagen Sie zum Nachschauen einfach einmal den Impfpass Ihres Hundes auf. Steht als Kürzel auf dem Aufkleber SHPPi, so handelt es sich um eine Vierfachimpfung von Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Parainfluenza. Plus L bedeutet zusätzlich Leptospirose, plus T zusätzlich Tollwut. Ist nur eine bestimmte Impfung nötig und kein "Fünferpack", so kann Ihr Tierarzt Ihnen auch Einzelimpf-stoffe bestellen. Fragen Sie danach! So kann exakt das geimpft werden, was nötig ist.

   
 

Denken Sie immer daran, dass nicht die Impfungen das A und O der Gesundheitsvorsorge sind, sondern vernünftige, liebevolle Haltung - und Verzicht auf Welpen vom Hundevermehrer. Schlecht gehaltene Tiere können trotz Impfung an Infektionen erkranken und als Träger andere Tiere anstecken, d.h. eine Impfung kann nie einen hundertprozentigen Schutz bieten.

Welpen sind eine gewisse Zeit durch die Antikörper in der Muttermilch vor Infektionen geschützt

Wichtig ist: Jährlich zu impfen ist nicht nötig für den Hund (ausgenommen, Sie möchten unbedingt Leptospirose halbjährlich impfen, siehe oben). Es gibt keine Studien, die beweisen, dass ständiges Nachimpfen einen erhöhten Schutz bietet. Dagegen existieren jedoch einige Untersuchungen, die besagen, dass der Schutz vieler Impfungen gegen Viren wesentlich länger hält, als der Hersteller es angibt. Der Hersteller haftet aber für Schäden, daher gibt er natürlich immer nur Zeitrahmen an, in denen der Schutz 100%ig bei allen getesteten Hunden bestehen bleibt. Auch Ihr Tierarzt wird einer Verlängerung der nötigen Impfzeiträume auf dem Impfpass oft nicht positiv gegenüberstehen - das ist jedoch verständlich, denn er selbst muss die Haftung übernehmen, wenn er bei der Impfung von denen vom Hersteller empfohlenen Angaben abweicht. Unterhalten Sie sich darüber und fragen Sie nach, ob Titerbestimmungen der Antikörper im Blut möglich wären, um zu bestimmen, ob eine Impfung gegen die fragliche Erkrankung nötig ist oder noch nicht. Damit sind Sie auf der sicheren Seite, um zu wissen, was geimpft werden muss und was nicht.