Leider ist nicht allen Hundebesitzern bewusst, dass die ausschlaggebendste Zeit für die spätere Entwicklungs ihres Vierbeiners das Alter von drei bis zwölf Wochen ist. In diesen nur neun Wochen braucht der Welpe nichts dringender als vielfältigste Umweltkontakte, da sich nun die Charaktere der einzelnen Welpen entwickeln. Wenn jeder wüsste, wie wichtig diese Zeitspanne für den Hund ist, würde mancher erstens beim Kauf des Hundes vorsichtiger sein und den Züchter sehr gewissenhaft auswählen und zweitens darauf achten, dass man seinen Hund zum richtigen Zeitpunkt (nicht zu früh und nicht zu spät) bekommt. Auf die Zeit vor dem Kauf hat der spätere Hundebesitzer weitgehend keinen Einfluss. Leider aber sieht man einem Welpen nicht an, ob er in dieser Zeit auch artgerecht aufgezogen wurde. Hier muss man sich auf den Züchter verlassen können und sollte das nicht blindlings tun, nur weil die Welpen so niedlich sind. Jetzt ist es entscheidend, dass die

Umweltverhältnisse stimmen. Mit dem Einsetzen von Hören und Sehen nimmt der Welpe Kontakt mit seiner Umwelt auf. Wenn sein Verhalten bisher nichts anderes war als durch Körperkontakt ausgelöste Reflexe, kann er nun Dinge auch ohne direkten körperlichen Kontakt wahrnehmen und darauf reagieren. Von nun an setzen sich Welpen gezielt in Bewegung, weil sie alles Mögliche erkunden wollen, das heißt sie sind neugierig und wollen Erfahrungen sammeln. Ihre Körpersprache wird vielfältiger, vor allem ihre Ruten beginnen Signale zu geben. Die Welpen geraten jetzt, selbst wenn sie an einem warmen und sicheren Ort gelandet sind, leicht in helle Aufregung, wenn sie sich nicht mehr zurechtfinden. Die Welpen fangen nun an zu spielen und miteinander zu raufen. Spielerisch erproben sie sich selbst und die Reaktion der Geschwister oder anderer Spielkameraden, wenn sie sie anknurren oder mit den ersten Belllauten zu vertreiben versuchen. Je mehr sich ihre Nervenbahnen vervollkommenen, umso ausdrucksvoller wird das

Ein Welpe aus unserem A-Wurf

Mienenspiel der Welpen. Der angestrengt ernste, maskenhafte Gesichtsausdruck verliert sich. Der Züchter muss jetzt dafür sorgen, dass die Umwelt so bunt gestaltet ist, dass die Welpen auch Ziele für ihren Erkundungsdrang haben. In einem sterilen Zwinger, einer dunklen Scheune oder ähnlichem ist eine gute Aufzucht nicht drin: Es ist unmöglich, das Gelände zu erkunden und unterschiedlichste Bodenformen (Gras, Erde, Holz, Bodenerhebungen, Kiesel) nicht nur kennenzulernen, sondern sich auch damit auseinanderzusetzen. Alles Mögliche wird nun abgeschleppt und herumtransportiert. Um einen Lumpen oder Knochen streitend, können sich die Welpen bereits richtig "gefährlich" mit ihren hellen Stimmchen anknurren. Eimer, Steine, Büsche werden angeschlichen, Stufen und Holzscheite erklommen. Besonders wichtig ist diese Kommunikation und das viele Ausprobieren für das spätere Sozialverhalten der noch kleinen Vierbeiner gegenüber anderen Hunden. Jetzt erlernen sie die Grundkenntnisse der Verständigung wie Beschwichtigungsverhalten.
Mit fünf Wochen sind die Welpen, wenn sie bis dahin bereits gut geprägt wurden, neugierig und reagieren nicht mehr mit Flucht auf laute Geräusche wie Staubsauger oder klappernde Kisten. Sie kommen angelaufen und wollen mit dem Gegenstand spielen. Alles, was der Welpe jetzt erkennt und kennenlernt, wird ihm vertraut. Es prägt sich ihm ein, ob es für ihn angenehm oder unangenehm war, und erste, einfache Assoziationen beginnen sein Handeln zu bestimmen. Ein sensible Phase! Während dieser Entwicklungsphase ist der Welpe, analog zu seiner Gehirnentwicklung, extrem aufnahmefähig für bestimmte Umweltreize. Jetzt ist sein Gehirn unbeschrieben wie ein leeres Blatt - aber alles, was die Umwelt ihm nun bietet, wird dort sofort und für alle Zeiten eingraviert. Nicht nur das - in dieser Zeit wird das Gehirn nicht nur "beschrieben", sondern es wird auch verändert, das heißt strukturiert und zunehmend komplexer und besser ausgebildet. Alles, was für den Welpen unerreichbar ist, kann seinen Niederschlag im Gehirn nicht finden. Ein Welpe ohne Kontakte und ohne Anpsrache wird in dieser
Alex mit dem wenige Wochen alten A-Wurf
Zeit psychisch verkümmern und später mit Angst auf neue Situationen reagieren. Die Sozialisierungsphase des Welpen enthält also drei wichtige Variablen: Die mehr oder weniger begrenzte Umwelterfahrung, die An- oder Abwesenheit von Hunden und die An- oder Abwesenheit von Menschen. Den Beginn und das Ende dieser wichtigen sensiblen Phase kann man durch Beobachtung zeitlich festlegen. Sie setzt ein, wenn der Welpe zu zögern beginnt, wenn nichts Vertrautes in seiner Umgebung ist und er zwischen Fremden und Vertrauten zu unterscheiden beginnt. Gegen Ende der Sozialisierungsphase fürchtet sich der Welpe vor Fremden. Er verhält sich nun anders als zu Beginn. Auf fremde Personen und ungewohnte Objekte reagieren die Kleinen nun mit steigender Furcht. Die Angstphase erreicht ihren Höhepunkt mit etwa zwölf Wochen. Wenn die Welpen vorher gut sozialisiert und geprägt wurden, ist diese Phase aber oft nicht allzu stark zu bemerken.

Unsere Welpen haben täglich und von Anfang an Kontakt zu Mensch wie Tier. Dies wwird ab der vierten Woche behutsam und tagtäglich mehr gefördert. Geräuschkulissen unterschiedlichster Art, Spielzeug vom Ball bis hin zum Autoreifen und der Gießkanne werden eingesetzt. Sogar der gute alte Straßenbesen kommt zum Einsatz, ebenso die gewaltige Dröhnung von Herrchens geliebtem Laubsauger, das Scheppern des Zuges in ummittelbarer Nähe sowie das Kennenlernen der anderen Vierbeiner der Familie. Wichtig ist die Begegnung mit vielen Kindern sowie der Besuch ungezählter Freunde und zukünftiger Rottweilerhalter. Auf dem Welpenspielplatz können

sich unsere Kleinen ab der dritten Woche draußen austoben. Der Garten bleibt dann natürlich auch nicht verschont. An von Mani selbst gebauten Wippen, in Röhren, Häuschen und an den Klapperdosenleinen können die Welpen sich an ihre Umwelt gewöhnen und viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Ab der sechsten Lebenswoche unternehmen wir eine tägliche Rundfahrt mit dem hauseigenen Bollerwagen hinein ins Städtchen und quer durch die Fußgängerzone. In dieser Beziehung leistet Mani wahrlich eine wunderbare Öffentlichkeitsarbeit und beantwortet mit unendlicher Geduld die unzähligen Fragen begeisterter und neugieriger Passanten. Wie wir inzwischen bei allen unseren Würfen feststellen konnten, wirken diese Ausflüge mit ihren vielen Eindrücken sehr gut auf unsere Welpen, die selbst-

Mani mit seinem Nibelunger-Express

bewusst und sicher in ihren neuen Familien auftreten. Kirchenglocken, Motorräder, Autos und Busse sind genauso wie skatende Kinder kein Schrecken für unsere Welpen. Um unseren vierbeinigen Freunden einen bestmöglichsten Start ins Leben mitzugeben, versuchen wir die Prägung und Sozialisierung möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Dies muss jedoch vom neuen Hundehalter dann auch weitergeführt werden - nur so wird der Rottweiler zu einem angenehmen Sportsfreund. Liebevolle und trotzdem sehr konsequente Erziehung fängt bereits mit der Übernahme des kleinen Welpen an und wir erwarten von den neuen Welpenfamilien, dass sie diese weiter umsetzen. Ein Welpe kann nur zu dem werden, was sein Herrchen oder Frauchen auch aus ihm macht.