Leider werden im Netz vermehrt Falschinformationen zur Trächtigkeit der Hündin verbreitet. Dies reicht von falschen Angaben bei der Entwicklungsgeschwindigkeit bis hin zur Vermenschlichung des Vierbeiners - dabei gibt es bei der Trächtigkeit der Hündin ungemein viele Unterschiede zur Schwangerschaft des Menschen. Sie sind eigentlich nur in wenigen Punkten überhaupt vergleichbar. Wir haben daher diese Seite zur Information erstellt, basierend vor allem auf der unten genannten Literatur.

 

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Sexualzyklus und Trächtigkeit bei Mensch und Hund recht ähnlich sind. Doch weit gefehlt! Zwar sind beide Säuger, doch sie unterscheiden sich in den Feinheiten sehr stark voneinander. Während der Periode einer Frau löst sich z.B. jeden Monat die oberste Schicht der Gebärmutterschleimhaut mit ab (Blutungen). der Eisprung der Frau liegt dann bereits zwei Wochen zurück. Beim Hund dagegen löst sich während der Läufigkeit nichts ab, die geringen "Blutungen" dienen dem Anlocken des Rüden - denn bei der Hündin findet der Eisprung während der Läufigkeit statt. Schauen wir uns dann einmal die Gebärmutter an: Die Gebärmutter des Menschen hat einen großen, birnenförmigen Körper. In diesem Körper wird der Embryo ausgetragen. Die Hündin dagegen hat eine Gebärmutter mit einem sehr kleinen Körper, dafür aber zusätzlich daran zwei lange sogenannte Hörner, in denen die vielen Embryonen Platz haben. Auch bei der Plazenta, dem Mutterkuchen, gibt es Unterschiede zwischen Zwei-

 
56. Tag der Trächtigkeit - bald geht's los
 
und Vierbeiner: Beim Menschen bildet die Plazenta nur einen scheibenförmigen Kontakt zwischen Kind und Mutter aus. Die Gewebe zwischen Mutter und Plazenta (ursprünglich bestehend aus mütterlichen Blutgefäßwänden, Gebärmutterzellen, Zotten und kindlichen Blutgefäßwänden) sind soweit aufgelöst, dass das mütterliche Blut in direktem Kontakt mit der Zottenhaut der Fruchthüllen des Kindes steht. Bei der Hündin entwickelt sich stattdessen einen Mutterkuchen, bei dem die Zottenhaut der Fruchthüllen der Welpen noch im Kontakt mit den mütterlichen Blutgefäßwänden steht. Außerdem ist der Kontakt zwischen Mutter und Kind nicht scheibenförmig, sondern gürtelförmig im mittleren Bereich der Zottenhaut angelegt.

An Hand dieser weniger Beispiele wird bereits deutlich, dass Hund und Mensch sich sehr deutlich voneinander unterscheiden. Ein Vergleich ist also kaum möglich, der Züchter muss sich intensiv auf die Trächtigkeit der Hündin vorbereiten und kann sich nicht davon leiten lassen, wie Schwangerschaft und Geburt beim Menschen ablaufen.

So manche zukünftige Welpenfamilie kann es schon gar nicht mehr abwarten, bis es endlich "soweit" ist. Endlich möchte man das neue Leben anfassen und begreifen können. Doch auch während der Trächtigkeit geschehen schon viele faszinierende Dinge - nur können wir die meisten nicht von außen sehen. Zum Glück haben viele Forscher längst herausgefunden, was im Bauch der Hündin während einer Trächtigkeit so vor sich geht. Aber was passiert wann genau? Der folgende kleine Trächtigkeitskalender soll helfen.

0. Tag
1. Tag

7. Tag

Die Spermien des Rüden befruchten die Eizellen der Hündin im Eileiter.
Die befruchteten Eizellen (Zygoten) wandern durch den Eileiter in Richtung der Gebärmutterhörner und teilen sich dabei in Furchungszellen (Blastomeren).
Die Wanderung ist beendet, das Endprodukt der Furchung nennt man Morula. Die Morula kann man unterteilen in den Trophoblasten, der später die Eihüllen bilden wird, und den Embryoblasten, aus dem sich der Embryo entwickelt.

8. Tag


10.-12. Tag

12.-13. Tag

Die Morula entwickelt einen mit Flüssigkeit gefüllten Hohlraum. Man nennt sie jetzt Blastozyste oder auch Keimblase.
Die Blastozyste ist jetzt eiförmig, die Keimscheibe, von der fast alle Entwicklungen ausgehen, bildet sich aus.
Jetzt findet die Implantation statt, d.h. die Zottenhaut der Blastozyste nimmt Kontakt zur Gebärmutter-schleimhaut auf. Man nennt diesen Vorgang auch den "embryo-maternalen Dialog", denn es ist der erste Kontakt zwischen den späteren Welpen und der Mutterhündin. Beim Menschen nistet sich die Blastozyste in das Bindegewebe unter der Gebärmutterschleimhaut ein, bei der Hündin dagegen besteht nur ein Kontakt zwischen Chorion und Schleimhaut, die Blastozysten dringen aber nicht in das mütterliche Gewebe ein. Die implantierten Blastozysten haben nun jede ihre eigene "Implantationskammer" und sind im Optimalfall gleich-

Welpen unseres D-Wurfs kurz nach der Geburt
mäßig auf die beiden Gebärmutterhörner verteilt.

15. Tag



17. Tag
20. Tag

20.-30. Tag

Die Primitiventwicklung und damit auch die Embryonalperiode beginnt jetzt mit der Bildung des Primitivstreifens - ein erster großer Schritt von vielen, vielen Entwicklungsprozessen. In den folgenden Tagen werden so etwas wie Vorläufer für die späteren Organe und Körperteile gebaut, der Embryo gewinnt so langsam eine erste, noch grobe und unausgereifte Gestalt.
Das Neuralrohr, so etwas wie die niedrigste Entwicklungsstufe des zentralen Nervensystems, bildet sich.
Schwanzknospen bilden sich aus, der Embryo nimmt die Form einer Zitrone an und wird später tonnenförmig. Die Schulter-Steiß-Länge beträgt jetzt etwa 10 Millimeter.
In diesem Zeitraum ist es möglich, am Bauch der Hündin mittels Abtasten die Embryonen vorsichtig zu erfühlen. Vom 30. bis zum 45. Tag ist dies nicht mehr möglich, da sich die Gebärmutterhörner dann meist abgefaltet haben und den direkten Zugriff beim Tasten verhindern.

28.-35. Tag





30. Tag

33.-35. Tag

Endlich der erste Beweis für die Trächtigkeit: Ein Ultraschall ist nun möglich, bei dem man mit geübtem Auge bereits Embryonen zählen kann (auch wenn man dabei mit der Zahl meist falsch liegt ;). Hier gibt es zwei schöne Videos vom Ultraschall unseres G-Wurfes zu zwei Zeitpunkten der Trächtigkeit zu sehen.
Die Embryonen messen jetzt schon etwa 2 cm von der Schulter bis zum Steiß.
Von heute an bis in zehn Tagen kann man den physiologischen Nabelbruch bei den Welpen beobachten: Teile des Darms werden aus Platzmangel für einige Zeit aus dem Körper heraus in die Nabelschnur verlagert. Später lagert sich alles wieder schön zurück. Die Primitventwicklung ist jetztabgeschlossen, nun beginnt die Fetalperiode mit der Entwicklung der einzelnen Organe. Aus den primitiven Vorläufern bilden sich nun die "richtigen", endgültigen Organe des Welpen aus und auch der
Welpen unseres C-Wurfs im Alter von wenigen Tagen
   
Körper erhält ab jetzt die Form, die er bei der Geburt haben wird. Die Embryonen sind jetzt von Schulter bis Steiß etwa 3,5 cm lang. Beim Rüden kann man ab dem 35. Tag das Genital erkennen, bei allen Welpen beginnen sich die Finger voneinander zu separieren.

38. Tag
40. Tag
43.-45. Tag
ab 45. Tag

ab 50. Tag
etwa ab 57. Tag

64. Tag

Die Tasthaare sind ausgebildet.
Spätestens jetzt sind Augenlider ausgebildet, die Krallen werden langsam sichtbar.
Die Finger sind nun vollständig voneinander getrennt.
Die Welpen sind nun groß genug, um sie wieder vorsichtig im Bauch der Hündin ertasten zu können.

Ab jetzt ist es möglich, die Skelette der Welpen beim Röntgen zu erkennen.
Um diesen Zeitpunkt herum können schon lebensfähige Welpen geboren werden. Die Kleinen sind jetzt komplett behaart.
Wenn alles gut gelaufen ist, werden die Welpen endlich ihren Weg in die Welt finden.

Quellen

  • Embryologie der Haustiere" von Bertram Schnorr und Monika Kressin
  • "Neonatologie beim Hund" von Prof. Dr. Axel Wehrend